Reinhard K. Sprenger: Aufstand des Individuums. Warum wir Führung komplett neu denken müssen. Campus Verlag.

 

Deutsche Unternehmen bevorzugen angepasste Mitarbeiter, die sich unterordnen – und erzeugen ihre Misere selbst. Woher sollen neue Ideen und Produkte kommen? Mitarbeiter mit dem Mut zu eigenen Wegen bringen ihrem Unternehmen den Fortschritt. In seinem provokativen Buch zeigt Sprenger die Zusammenhänge auf, die zu Krisen führen können. Er kritisiert die Unternehmen, weil sie Anpassung fördern statt Menschen mit unterschiedlichen Denkweisen einstellen. Im ersten Teil des Buches erfährt der Leser die Gründe für die fehlende Innovation und dem Mangel an Ideen. Er kritisiert die Haltung vieler Unternehmen, die aus Mitarbeitern Unternehmer  machen wollen. Wären sie es, würden sie als Unternehmer arbeiten. Die Beurteilungsinstrumente in Unternehmen fördern Kontrolle und Anpassung statt zum Handeln zu führen, das aus eigenem Denken kommt. Er zeigt auf, wie Kreativität verhindert wird. Im zweiten Teil zeigt der Autor Wege zur modernen Führung. Gute Führungskräfte fördern gute Mitarbeiter. Das ist die Voraussetzung für den Wandel in der Führung. Mitarbeiter können ein Unternehmen besonders gut voran bringen, wenn sie andere Studiengänge besucht haben. So hat ein Sinologe in seinem Unternehmen eine erfolgreiche  China-Abteilung gegründet, die zu einem Umsatzplus führte.

Man soll die Mitarbeiter wertschätzen. Sie bringen ihre Talente mit und Erfolg entsteht, wenn die Führung sie richtig einsetzt. Das ist die Hauptaufgabe von Führung: Mitarbeiter zu den passenden Aufgaben führen, sie dort einsetzen, wo sie das meiste können. Viel zu oft doktort man an ihren Schwächen herum und macht ihnen Vorwürfe so zu sein wie sie sind. Die Mitarbeiter sollen ihre Aufgaben sinnerfüllt erleben und merken, dass sie mit ihnen wachsen. Dann braucht ein Unternehmen keine Geldanreize, sondern die Aufgaben und Beziehungen binden die fähigen Mitarbeiter. Das ist in der Zeit des Fachkräftemangels wichtig.

Die Thesen sind gut geschrieben, der Schuss Polemik in manchen Teilen schadet aber nicht den Aussagen. Nicht nur für Führungskräfte interessant zu lesen.