Die erschöpfte Arbeitswelt. Durch eine Kultur der Achtsamkeit zu mehr Energie, Kreativität, Wohlbefinden und Erfolg! Badura, Steinke, Ebook, Hrsg. Bertelsmann Stiftung. 2011.

Die physischen und psychischen Energien eines Menschen sind nur begrenzt. Dieses Wissen  setzt sich langsam in den Unternehmen durch. Wenn die beschwerdefreie Zeit der Menschen in Deutschland, in der der Einzelne ohne Krankheitssymptome lebt weit unter der der übrigen hochentwickelten europäischen Länder liegt, ist dies bedenklich und man muss dafür die Ursachen finden. Denn nur, wenn die Mitarbeiter gesund sind und sich psychisch wohl fühlen, sind sie kreativ und das Unternehmen hat Erfolg.

Das vorgestellte Denkmodell einer Kultur der Achtsamkeit ermöglicht dem Leser einen Blick auf die Zusammenhänge zwischen Gesundheit der Mitarbeiter und Erfolg einer Organisation. Den Autoren ist es wichtig, dass die zurzeit vorherrschende Sorg- und Achtlosigkeit gegenüber der Gesundheit der Mitarbeiter ersetzt wird durch Achtsamkeit. Der Kulturwandel muss jedoch von der Unternehmensführung ausgehen.

Der Leser erfährt in einem Kurzbeispiel, wie sich ein solcher Kulturwandel zu mehr Achtsamkeit herbeiführen lässt und welche Auswirkungen dies auf die Leistungsfähigkeit des Unternehmens hat. In einem weiteren Kapitel wird das Konzept der Achtsamkeit wissenschaftlich fundiert dargestellt. Hierbei stellen die Autoren die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Organisation und psychischer Gesundheit dar.

Im vierten Kapitel legen sie dar, aus welchen Gründen Menschen krank zur Arbeit gehen und welche Folgen dies für die Gesundheit der betreffenden Mitarbeiter und der Produktivität des Betriebes hat. Ein beträchtlicher Anteil krankgeschriebener Mitarbeiter ist aus gesundheitlichen Gründen zu Hause und nicht jeder anwesende Mitarbeiter ist gesund. Erwiesen ist, dass jeder zweite gegen den Rat des Arztes krank zur Arbeit geht. Führungskräfte haben hier eine besondere Funktion als Vorbild. Präsentismus hat nachgewiesen die Folge, dass diese Mitarbeiter ein doppelt so hohes Risiko haben, einen schweren bis tödlichen Herzinfarkt zu erleiden. Der größte Produktivitätsverlust wird durch Präsentismus verursacht, hier liegt der größere Produktivitätsverlust als durch Fehlzeiten. Psychische Ursachen wie Stress, Schlaflosigkeit und Depressionen liegen hierbei über den der körperlichen Krankheiten.

Ein weiteres Kapitel beleuchtet die Ursachen von psychischen Problemen; wenn die Arbeit mit der Freizeit nicht verträglich ist. So plädieren die Autoren für eine „Life-Balance“, bei der der Einzelne einen Ausgleich zwischen Beruf und Familie oder Freunden schafft.

Nach den Rahmenbedingungen für eine Kultur der Achtsamkeit in Unternehmen folgt ein Fallbeispiel.

Die Autoren stellen als Fazit folgende Thesen auf:

1. Gesundheit muss in Unternehmen zu einem zentralen Zielwert werden. Führungskräfte sollten sich regelmäßig über den Gesundheitszustand informieren, nicht nur über Fehlzeiten.

2. Seelische Gesundheit sollte aktiv gefördert werden und aus der Tabuzone heraus treten.

3. Verdeckte Produktivitätseinbußen durch Präsentismus verdienen mehr Beachtung.

4. Gesundheit darf nicht mehr Privatsache bleiben, sondern sollte im Interesse der Unternehmen mit einem professionellen Gesundheitsmanagement mit gesteuert werden, so dass die Mitarbeiter Hilfestellungen zur Gesunderhaltung bekommen.

5. Zusammenarbeit von Natur- und Sozialwissenschaften zur Kooperation, um Innovationen im Bereich Gesundheitsvorsorge zu erreichen.

Die Studie ist gut und schnell lesbar und unverzichtbar für jeden Personalverantwortlichen und Gesundheitsbeauftragten.