Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Muntermacher von Gerald Hüther. Verlag S. Fischer 2011.

 

Wir sind, was wir aus unserem Gehirn machen. Diese These bildet den roten Faden in dem Buch von Gerald Hüther. Er bringt uns seine neuen Erkenntnisse der Gehirnforschung näher, die das bisherige Wissen über Lernen auf den Kopf stellen. Kurz: Wir haben einen großen Einfluss darauf, wie sich unser Gehirn entwickelt. Beschäftigen wir uns mit uns herausfordernden und begeisternden Dingen, wirkt dies wie Dünger für das Gehirn. In diesem Fall bildet das Gehirn neue Verbindungen an bestehenden Synapsen und kann die neue Fähigkeit ausbilden. Das heißt auch: wir können bis in das hohe Alter dazu lernen; es braucht nur die nötige Begeisterung! Hüther fragt in seinem Buch auch, wo die Begeisterung geblieben ist. Kinder sind schnell begeistert, aber Erwachsene versinken zu oft in Routine. Sie ruft keine Freude mehr hervor. Zu viele Menschen haben bereits aufgegeben, laufen im Hamsterrad von Tag zu Tag. Kein Wunder, dass das Gehirn keine Botenstoffe der Begeisterung mehr ausschüttet. Ein anderes Verständnis von Arbeit und Lebensgestaltung wäre die Lösung.

Wir lernen also, wenn uns eine Sache besonders wichtig ist und dann sind wir auch mit jedem Fortschritt begeistert. So ist Freude auch wichtig, um die eigenen Fähigkeiten zu entfalten. In der Schule lernt man mit Angst; auch dies kritisiert Hüther. Dies bringt funktionierende Mitarbeiter hervor, aber keine Menschen, die aktiv unsere Zukunft gestalten können. Hier heißt es, aktiv und kreativ zu gestalten: Dinge und Vorgänge zu hinterfragen und zu lernen.

Das Buch geht darauf ein, woher wir kommen und warum wir so geworden sind. Ein Bewohner des brasilianischen Urwalds besitzt andere Fähigkeiten als ein Mitteleuropäer, weil er andere Herausforderungen erlebte. Selbst in unterschiedlichen sozialen Schichten wird man eine andere Gehirnentwicklung erleben; sei es als Professorenkind oder das eines Arbeitslosen. In einem Kapitel geht Hüther auch darauf ein, wie wir unsere Wirklichkeit selbst konstruieren und danach leben.

Was wir aus uns machen können, steht in den letzten beiden Kapiteln. Er fordert den Leser auf, selbst zum Gestaltern des Lebens zu werden. Die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten bringt uns weiter, also stecken wir unser Geld besser in Erlebnisse als in Sachen.

Das Buch ist sehr erhellend und man kann nach der Lektüre vieles hinterfragen und ändern.